wurde 1944,
als unser Land von Japan besetzt war, in Seon-San Kyoung-Buk auf dem
Lande geboren. Unsere Familie war arm und hatte fünf Kinder,
drei Jungen und zwei Mädchen. Ich habe einen älteren Bruder
und zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder. Ich
bin der zweite Sohn.
Meine Mutter
ging von Jugend an in die Kirche. Seitdem sie verheiratet war, konnte
sie selbst zwar nicht mehr in die Kirche gehen, aber ich ging unter
ihrem Einfluss von klein auf eifrig in die Kirche und verbrachte dort
die meiste Zeit meiner Kindheit.
Am 25.
Juni 1950 brach der Krieg aus, und direkt nach Kriegsende starb meine
Mutter. Dazu kam das Problem, dass mein älterer Bruder in die
Armee ging und mein Vater wegen einer Krankheit im Krankenhaus bleiben
musste. Plötzlich verloren wir Mutter, Vater und älteren
Bruder und gerieten in Schwierigkeiten, so dass die zwei älteren
Schwestern, der jüngere Bruder und ich uns zu viert allein versorgen
mussten. Aber damals gab es die Kirche und die Kraft, die wir von
der Kirche bekamen. Daher konnten wir die Schwierigkeiten überwinden
und gut leben.
Unsere
Kirche hatte hintereinander mehrere Pastoren, vor allem blieb Pastor
Deok-Jin Choi in meiner Erinnerung. Er hatte zwei Söhne und eine
Tochter, und der zweite Sohn war mit mir sehr gut befreundet. Ich
besuchte oft seine Familie, und wir haben zusammen gegessen und die
Zeit verbracht. Dabei sah ich einen großen Gegensatz zwischen
Pastor Chois und unserer Familie.
Wenn ich
seine Familie besuchte, war es dort immer ordentlich, und es sah so
aus, als ob dort stets eine friedliche Stimmung herrschte und es Ehrfurcht
und Liebe gäbe. Obwohl ich in Armut lebte, war ich glücklich,
denn wenn ich diese Familie besuchte, wurde ich vom älteren Sohn
wie ein jüngerer Bruder und vom Pastorenehepaar wie ein eigenes
Kind behandelt. Meine ältere Schwester ging eifrig in die Kirche.
Deswegen war das Leben, das ich in der Kirche lebte, erfreulich.
Aber wenn
ich jetzt daran denke, merke ich, dass dieser Pastor und seine Familie
mir damals zwar die menschlich guten Dinge und die Liebe, die ich
nirgendwo bekommen konnte, gegeben und einen tiefen Eindruck auf mich
gemacht haben, aber die geistlichen Dinge, die ich für meine
Seele brauchte, konnten sie mir nicht geben. Als ich selbst Pastor
geworden war und an diesen Pastor dachte, dachte ich: „Ich muss ein
Knecht werden, der den Gemeindemitgliedern geistliche Nahrung für
ihre Seelen gibt und die Kraft, die ihre Seelen lebendig macht, wenn
ich ihnen auch menschliche Dinge vielleicht nicht geben kann.“ Das
nahm ich mir vor und betete vor Gott.
HABEN
SIE DIE RETTUNG BEKOMMEN?
Als ich
in die Mittelschule ging, kam ein niederländischer Missionar.
Sein koreanischer Name war Kisu Kil, und er arbeitete in unserer Kirche.
Hier verkündigte er ab und zu das Wort, aber er kam auch in die
Schule und lehrte uns Englisch. Deshalb konnte ich diesem Missionar
natürlich näher kommen. Weil er nicht gut koreanisch konnte,
verkündigte er das Wort durch dolmetschen. Aber wenn ich die
Predigt des Missionars hörte, war das ganz anders, als ich das
Wort bis dahin von den Pastoren gehört hatte. Obwohl es mit der
gleichen Bibel verkündigt wurde, war das Wort des Missionars
nicht Theorie oder Wissen für mich, sondern es berührte
mein Herz.
Weil ich
klein war, kann ich mich daran nicht gut erinnern, aber unser Pastor
oder die Ältesten beteten, als ob sie einen großen Vortrag
hielten. Aber wenn der Missionar als Vertretung ab und zu betete,
betete er so, als ob er mit seinem Vater sprach, so ruhig, gelassen
und vertraut. Daher empfanden alle Gemeindemitglieder und ich so:
„Dieser Missionar ist wirklich anders.“ Insbesondere war sein Leben
sehr bescheiden und einfach, und ich konnte sehen, dass er jederzeit
im Vertrauen auf Gott lebte. Wenn wir ihn manchmal besuchten, trieb
er mit uns Schabernack. In vielen Bereichen war er ein ehrbarer Missionar.
Eines Tages
besuchten meine Schulkameraden und ich ihn, da faltete er auf der
Terrasse Traktate. Ich half ihm dabei. Danach fragte ich ihn: „Wozu
brauchen Sie diese Traktate?“ Er antwortete: „Weil morgen Markttag
ist, gehe ich zum Markt und evangelisiere dort. Dafür brauche
ich diese Traktate.“ Und so fragte ich: „Darf ich mitgehen, wenn Sie
morgen zum Markt evangelisieren gehen?“ Dann fragte er mich mit ernstem
Gesicht: „Haben Sie schon die Rettung bekommen?“ Ich zögerte,
weil ich in meinem jugendlichen Alter zum ersten Mal so eine Frage
hörte. Der Missionar sagte nochmals zu mir: „Sie selbst haben
die Rettung noch nicht bekommen, wie können Sie den anderen Menschen
sagen, dass sie gerettet werden müssen?“ Diese Frage ist immer
noch nicht aus meinem Herzen gestrichen. Da wurde mein Gesicht ganz
rot, weil ich mich so schämte.
Wenn ich
mich jetzt daran erinnere, merke ich, dass der Missionar sah, dass
viele
unserer Kirchenmitglieder nicht gerettet waren, obwohl sie eifrig
beteten und evangelisierten. Das bekümmerte ihn, und er hat mir
bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal sein Herz gezeigt. Wenn ich
heute daran zurückdenke, kann ich das Herz des Missionars ein
bisschen verstehen. Natürlich dachten wir, dass man gerettet
wäre, wenn man in die Kirche geht. Wir dachten, wenn man in die
Kirche geht, heißt das, dass man an Jesus glaubt, und wenn man
an Jesus glaubt, hat man die Rettung. Obwohl ich noch jung war, wand
sich in Wirklichkeit aber in meinem Herzen die Sünde, und ich
wusste nicht, was ich gegen sie tun sollte. Ich bekannte mich jeden
Tag schuldig. Tag für Tag verbrachte ich in dieser unklaren Lage,
so dass ich weder glauben konnte, dass meine Sünde vergeben wurde,
noch sagen konnte, dass sie nicht vergeben wurde. Weil ich in so einer
Situation war, bekam ich einen Schock, als ich diese Frage hörte.
Als die Zeit verging, brachte Gott mir diese Geschichte wieder und
wieder in Erinnerung.
Missionar
Kisu Kil wollte gar nicht nach Korea kommen, sondern nach Nepal gehen.
Aber durch Gottes besondere Gnade kam er nach Korea, sogar in unsere
Kirche in Seon-San. Und dazu stellte er mir diese schockierende Frage.
Und sonst sagte er mir nichts mehr. Aber als ich älter wurde
und allmählich in Sünde verfiel, blieb diese Frage trotzdem
in meinem Herzen. Wegen dieser Frage konnte mich der folgende unklare
Gedanke nicht festhalten: „Weil ich in die Kirche gehe, glaube ich
an Jesus, und durch diesen Glauben bekam ich die Rettung.“
Die anderen
Menschen denken: „Weil ich in die Kirche gehe, glaube ich an Jesus
und habe dieRettung.“ Aber seitdem ich die Frage von Missionar Kisu
Kil gehört hatte und mich betrachtete, konnte ich deutlich erkennen,
dass ich nicht gerettet war und nicht sicher war, ob ich in den Himmel
gehen könnte. Gott ließ mich erkennen, dass ich ein Mensch
war, der sich vor Gott wegen seiner Sünde sehr schämen muss
und nicht aufrichtig zu Jesus sagen kann: „Nimm meine Seele!“ Es ist
bei allen Menschen so: Gott führt die Seelen weiter, um eine
nach der anderen auf den richtigen Weg zu leiten. Wenn ich zurückblicke,
kann ich sehen, dass Gott auch für mich so gearbeitet hat. Das
erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.
KAMPF
GEGEN DIE SÜNDE
Danach
gab Gott mir viele Schwierigkeiten. Es gab auch Probleme, an die ich
nicht mehr denken möchte. Mein Leben war chaotisch und hoffnungslos.
Für mich, der im Herzen keinen Glauben an Gott hatte, war es
selbstverständlich, dass ich der Verführung nicht widerstehen
konnte, wenn die Versuchung zu mir kam. Ich führte so ein Leben:
Sündigen, wegen des Leidensdrucks jeden Morgen früh beten
und Buße tun und am Sonntag in die Kirche gehen und Gottesdienst
feiern; das wiederholte sich ständig.
Ich nahm
mir unzählige Male vor und entschloss mich, nicht mehr zu sündigen.
Doch damals hatte ich noch keinen Glauben an Gott, deshalb konnte
die Kraft Gottes mich nicht beeinflussen. Weil die Sünde die
Leitung zwischen Gott und mir versperrte, war ich ohne die Kraft Jesu,
und nur mit meinen eigenen Bemühungen konnte ich die Sünde
ganz und gar nicht besiegen. Aber ich versuchte mit eigener Kraft,
der Verführung der Sünde zu widerstehen. Weil ich das nicht
erkannte, probierte ich immer weiter mit meiner Methode, nicht zu
sündigen: entschließen, weinen und Buße tun, die
ganze Nacht aufbleiben und beten. Ich erinnere mich, dass ich außerdem
noch viele andere Dinge probiert habe. Aber das alles waren vergebliche
Bemühungen und Anstrengungen, die gar keine Frucht trugen, solange
Jesu Gnade mich nicht festhielt.
Obwohl
ich während meiner ganzen Jugendzeit fleißig in die Kirche
ging und fast dort lebte, ergab ich mich der Sünde. Schließlich
musste ich unbewusst ein doppelgesichtiger, heuchlerischer Mensch
werden. In der Kirche versuchte ich, mich als ein Mensch zu zeigen,
der gut an Jesus glaubt. Außerhalb der Kirche führte ich
ein Leben wie die weltlichen Freunde mit Alkohol trinken, streiten
und stehlen. Ich konnte mich gar nicht davon frei machen.
Wenn ich
zurückblicke auf die Zeit, nachdem ich die Sündenvergebung
empfangen hatte und Jesus Christus in mein Herz gekommen war, hat
mich damals das schmutzige und böse Leben durch Jesus Christus
verlassen, obwohl ich mir gar keine Mühe gab, die Sünde
zu besiegen. Aber vorher kannte ich nicht die Gnade Jesu und wusste
nicht, wie ich Hilfe suchen sollte. Weil zwischen dem Herrn und mir
die Sünde stand, habe ich mir immer wieder Mühe gegeben,
sie selbst zu besiegen. Trotzdem fiel ich mehr und mehr in die Sünde.
Schließlich fing ich an, ein Problemkind zu werden.