Die
erste Reise nach Afrika
„Pastor Park, was ist dein Lieblingsessen in Korea?“
„Oh, ich mag Kimchi und Dönsangzigä.“
ich zum ersten Mal nach Kenia kam, war es für
mich sehr schwer, weil das dortige Essen für mich fremd war.
Mit Sukumi und Ugali, diesen einheimischen Gerichten, konnte ich mich
überhaupt nicht anfreunden. Ich habe möglichst nichts gegessen
mit folgendem Gedanken: „Kann man nicht alles essen, wenn man hungrig
ist? Nur weil ich jetzt satt bin, kann ich so etwas nicht essen. Aber
wenn ich später einen Bärenhunger habe, werde ich alles
essen können.“ Ich habe einfach darauf gewartet, dass ich großen
Hunger bekommen werde. Aber Dorothy und Desso, die das nicht mehr
aushalten konnten, stellten mir die obige Frage.
Da ich geantwortet
habe, dass ich Dönsangzigä und Kimchi mag, fragten die Schwestern
mich weiter: „Woraus macht man Dönsang?“ „Aus Bohnen.“ Als sie
das hörte, hat Schwester Dorothy sich sehr gefreut und sagte:
„Dann, Pastor Park, brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Lass uns
heute Bohnen kaufen und Dönsang machen!“ Ich war fassungslos.
Sie meinten, dass man aus Bohnen einfach Dönsang machen kann.
Ich sagte ihnen, dass das so nicht geht, weil es ein Jahr dauert,
Dönsang zu machen. Dorothy erschrak und fragte mich wieder: „Was
für ein Essen ist das, das ein Jahr braucht?“ Daraufhin habe
ich ihr genau erklärt, wie man Dönsang macht: „Zuerst muss
man Sojabohnen kochen. Dann füllt man sie in eine Schüssel,
drückt sie fest, bis sie die Form der Schüssel angenommen
haben. Diesen Teig nimmt man aus der Schüssel und lässt
ihn einige Monate trocknen. Dabei bildet sich darin Schimmel, und
es fängt an zu gären. Unter der Sonne muss diese Masse dann
weiter gut trocknen. Dann gießt man in ein Fass gesalzenes Wasser
und gibt die Masse dazu, die dann oben schwimmt. Das Wasser entzieht
der Masse Geschmack und einige Inhaltsstoffe und wird so zu Sojasoße.
Was übrig bleibt, ist Dönsang. Dieser Prozess dauert ein
Jahr.“ Schwester Dorothy war überrascht und sagte: „Wir können
alles – egal welches Gericht – in 30 Minuten vom Feld auf den Tisch
bringen.“ Wir alle mussten lachen.
Später
sind wir mit Dorothy und Desso einkaufen gegangen. Auf dem Markt gab
es Weißkohl. Ich habe mich sehr gefreut, als ich diesen Weißkohl
gesehen habe und bat die Schwestern, ihn zu kaufen. Sie machten ein
beklommenes Gesicht und sagten, dass sie daraus noch nie etwas gekocht
hätten. Darauf sagte ich: „Weißkohl ist auch eines meiner
Lieblingsessen. Ihr braucht ihn einfach nur zu kochen.“ Von diesem
Tag an war ich zufrieden, dass ich Kohl essen konnte. Es war mir egal,
ob er etwas mehr oder weniger weich gekocht wurde.
Es war für
mich schwer, die dortigen Speisen zu essen, aber langsam konnte ich
mich so weit daran gewöhnen, dass ich jetzt Sukumi, Ugali und
das ghanaische Essen Bufu gut essen kann. Eines Tages führte
ich eine Evangelisation in Migori in Kenia. Ein einheimischer Pastor
lud uns dort zum Essen ein. Sie haben mir zu Ehren mit ihrem ganzen
Herzen dieses Essen vorbereitet. In einem dunklen Zimmer, in dem nur
eine kleine Kerze brannte, aßen wir zusammen. Es gab viele Gerichte,
Reis, geschnittenen Weißkohl, frittierte Fische und Hähnchen.
In Kenia sind Hähnchen unheimlich teuer. Deshalb gibt es viele,
die in ihrem ganzen Leben niemals Hähnchen gekostet haben.
Die Pastorsfrau
hat dieses Hähnchen extra mir zu Ehren zubereitet. Aber dieses
Hähnchengericht war keine Suppe, sondern es waren frittierte
Stücke. Wir waren zu zwölft, und das Hähnchen war in
sieben Teile geschnitten, so dass es schwierig war, es unter uns aufzuteilen.
Deshalb berührte ich das Hähnchen gar nicht, damit die anderen
es essen konnten. Ich legte mir von dem geschnittenen Kohl auf meinen
Teller und wollte das essen. Aber, oh Schreck! Ich konnte gar nichts
davon essen, denn mir wurde ganz übel, weil ein besonderes Gewürz
an dem Kohl war. Da wollte ich lieber Fisch essen. Aber sie hatten
die Fische mit Schuppen frittiert, und wegen dieses Geruchs konnte
ich auch keinen Fisch essen.
Als letzten
Versuch wollte ich zu dem Reis das Bohnengericht essen, weil das gut
gewürzt war. Ich nahm Reis auf meinen Teller und viel Bohnen
dazu. Nachdem ich Reis in meinen Mund gesteckt hatte und dann von
den Bohnen als Beilage nahm, hatte ich Steine im Mund. Ungefähr
die Hälfte des Gerichtes bestand aus Steinen. Ich wollte nicht,
dass die anderen die Steine in meinem Mund hören konnten, weil
ich sah, dass alle ohne Murren die Bohnen aßen. Weil es so aussehen
würde, als ob ich allein so pingelig und mürrisch wäre,
konnte ich die Steine auch nicht ausspucken. Also aß ich langsam
von dem Reis und schob die Steine vorsichtig mit der Zunge auf den
Löffel.
Vielleicht
sortieren die Afrikaner nach der Bohnenernte die Steine gar nicht
aus, sondern lassen alles so und kochen es einfach. Sie aßen
problemlos, und es schien, dass nur mir das so unangenehm war.
Während
ich in Afrika Zeit mit Einheimischen verbrachte, kam mir der Gedanke:
„Ich habe bisher nur für meinen Körper gelebt.“ Deshalb
habe ich mich bemüht, mich an ihre Gerichte zu gewöhnen,
aber das war nicht so einfach. Als ich die zweite Reise nach Afrika
machte, hatte ich glücklicherweise keine Probleme mit dem Essen,
weil die Missionare Jong-Duk Kim und Jong-Su Yun schon dort waren.
Es war aber schön, dass ich mich an die meisten afrikanischen
Gerichte gewöhnt hatte, als ich Afrika verließ.
WARUM BESUCHST DU
GHANA NICHT?
1994, als ich zum ersten Mal Afrika besuchte, wollte
ich auf dem Weg dorthin die deutsche Gemeinde besuchen, wo Pastor
Oseon Kwon arbeitet. Samstagnachmittag flogen wir los und landeten
nach einem Zwischenstopp in London am späten Abend in Frankfurt.
Wir fuhren eilends zu Pastor Kwons Wohnung, übernachteten dort
und hatten am Sonntagmorgen mit einigen wenigen Geschwistern Gottesdienst.
Nach dem Gottesdienst fuhren wir nach Göttingen, das ca. 300
km von Mainz entfernt liegt. Wir waren einige Stunden unterwegs, feierten
in Göttingen Gottesdienst und kamen spätabends nach Mainz
zurück. Am nächsten Morgen musste ich ganz früh nach
Afrika weiterfliegen. Dieses Programm war sehr anstrengend für
mich, und ich dachte: „Warum hat er alles so dicht geplant?“
Aber den Gottesdienst, den ich in Göttingen geführt
habe, kann ich nicht vergessen. Die Göttinger Gemeinde bestand
damals aus Ghanaern, die in Deutschland lebten. Es war das erste Mal,
dass ich vor Afrikanern das Wort verkündet habe. Wir sind direkt
vor dem Gottesdienst in Göttingen angekommen und setzten uns
in den Gottesdienstraum, wo ca. 20 – 30 Afrikaner tanzten, trommelten
und sangen. Da ich solche Gottesdienste noch nie gefeiert und in Korea
nie getanzt hatte, wusste ich nicht, wie ich mich verhalten sollte.
Ich war sehr befremdet, stand da und klatschte einfach mit. Dann fing
ich an zu predigen. Ich predigte mit Dolmetscher, und die laute Stimmung
wurde ruhig. Ich konnte sehen, dass sie tief in das Wort versanken.
Nach
der Predigt sind alle zu mir gekommen und haben viele Fragen gestellt,
und so hatten wir Gemeinschaft. Einer der Männer lud uns zu sich
in die Wohnung ein. Wir hätten eigentlich nach Mainz zurückgemusst,
aber wir gingen mit, aßen dort und unterhielten uns. Dadurch
konnte ich den Leuten aus Ghana schnell näher kommen.
Meinen zweiten Besuch in Afrika plante ich 1995. Als
Bruder Samuel und seine Frau hörten, dass ich wieder nach Afrika
fliegen werde, ließen sie mich durch Pastor Kwon fragen: „Pastor
Park, warum gehst du nur nach Kenia und nicht nach Ghana? In Ghana
wohnen unsere lieben Familien. Wenn es auch schwer für dich ist,
geh doch auch nach Ghana und verkünde dort das Wort!“
Sie haben mich herzlich gebeten. Aber ich lehnte ab:
„Ich würde gerne nach Ghana fliegen, aber ich habe keine Zeit.“
Trotzdem sagten sie wieder: „Es reichen ja schon ein paar Tage, bitte
besuche Ghana unbedingt!“ Ich habe aber wieder höflich abgelehnt:
„Es geht nicht. Wenn ich von Kenia nach Korea zurückkomme, muss
ich direkt eine Evangelisation führen, und mein Plan ist ganz
dicht. Es ist wirklich unmöglich!“ Ich dachte, wenn ich das erkläre,
würde Bruder Samuel aufgeben, aber er bat mich zum dritten Mal.
Diesmal konnte ich nicht mehr nein sagen. Ich änderte meinen
Plan und sagte ihm, dass ich Ghana ungefähr eine Woche lang besuchen
werde. Sie haben sich darüber sehr gefreut.
Als wir also das zweite Mal nach Afrika kamen, besuchten
wir zuerst Kenia und wollten dann in Ghana das Evangelium verkünden.
Weil Bruder Samuel selbst nicht nach Ghana kommen konnte, hat er seine
Frau Theresa geschickt. Er ließ sie alles vorbereiten, was wir
in Ghana brauchten, ein Haus, in dem wir wohnen konnten, ein Auto
mit einem Fahrer namens Asal, dazu Kaffee, Tee, Zucker, Butter usw.
Aber nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Schüsseln, Teller,
Bestecke usw. hat sie aus Deutschland mitgebracht. Obwohl es für
uns der erste Besuch in Ghana war, konnten wir dadurch ohne Probleme
unsere Evangelisationsreise machen.
Ich habe den Ghanaern in Göttingen das Wort verkündet
ohne nachzudenken, weil ich darum gebeten wurde. Aber Gott hat bei
dieser Gelegenheit einen Weg geöffnet, so dass wir jetzt vielen
Afrikanern in Ghana das Evangelium verkünden können. Seitdem
wurden die Missionare Lee Jun-Hyun, Jang Man-Gil und Ban Young-Sun
nacheinander nach Ghana entsandt. Wenn ich sehe, dass in Ghana durch
diese Missionare einer nach dem anderen wiedergeboren wird, kann ich
meine Freude und Dankbarkeit nicht mit Worten beschreiben.
Gott hat uns auf diese Weise bis jetzt geführt.
Es sieht zwar so aus, als ob wir einfach ohne Plan leben, aber Gott
führt uns jede Sekunde, deshalb brauchen wir selbst gar keine
Pläne zu machen und uns nicht alles schon im voraus vorzunehmen.
Am Anfang schien es so, als ob wir selbst alles geplant haben und
alles durch uns geschafft wurde. Aber wenn wir jetzt zurückblicken,
können wir erkennen, dass es gar nichts gibt, was durch uns geschafft
wurde, sondern dass nur Gott uns führte.
Anfangs waren wir vor größeren Vorhaben
ängstlich und nervös, aber dann konnten wir Gott sehen,
der immer mit uns ist, uns führt und uns hilft. Seitdem können
wir wirklich glauben, dass Gott uns führt und durch uns verherrlicht
wird, immer wenn wir auf unbekannte, unerwartete Dinge treffen. Anfangs
war ich unruhig vor einem Ereignis, aber nachdem ich das einmal, zweimal
erfahren hatte, konnte ich all meine Hoffnungen und Erwartungen auf
Gott setzen mit folgendem Herzen: „Warum hat Gott uns diese Sache
treffen lassen? Wie wird Gott sie ändern?“
Beim Evangelisieren in Afrika haben die Missionare
viele Schwierigkeiten. Auch mir, der ich hinter unseren Missionaren
stehe, liegen deswegen oft große Steine auf meinem Herzen. Aber
Gott hat uns nicht einfach im Stich gelassen, sondern er hat uns jedes
Mal geholfen und die Probleme in Segen verwandelt. Deshalb können
wir Gott jederzeit preisen und in Schwierigkeiten alle Hoffnung und
Erwartung auf ihn setzen, indem wir denken: „Wie wird Gott dieses
Problem lösen?“
Wenn ich die Menschen sehe, die Gott ablehnen, der
lebendig ist und der uns führt, und die einfach nach menschlichen
Methoden und Gedanken leben, finde ich sie sehr töricht und habe
Mitleid mit ihnen. Gott möchte der Herr aller Menschen werden
und sie führen. Aber sie lehnen diesen Gott ab, versinken in
ihre Gedanken und folgen nur den sichtbaren Dingen. Dann ist es nur
natürlich, dass sie ängstlich werden und darunter leiden,
wenn sie auf Dinge treffen, die außerhalb ihrer Fähigkeiten
liegen.
In meinem Leben lässt Gott mich keine Sekunde
los und führt mich. Ich lebe, indem ich zu diesem Gott aufschaue
und mich auf ihn verlasse. Deshalb bin ich so glücklich und dankbar,
dass ich es nicht in Worte fassen kann.